Zur Person

Von der Kampfkunst zum Lebensprinzip

Bereits als Kind wurde ich von den traditionellen Kampfkünsten magisch angezogen. Nachdem ich, vermutlich im Alter von 6 Jahren, einen Film über traditionelle asiatische Kampfkünste gesehen hatte, war für mich klar, dass dies mein Weg sein wird.

Ich wurde schon damals nicht von den Kämpfen oder der Ausübung von Gewalt angezogen, vielmehr wollte ich immer einen dieser faszinierenden Meister finden von dem ich die Geheimnisse lernen konnte, die in vielen traditionellen Kampfkünsten zu eine faszinierenden Friedfertigkeit und Gewaltlosigkeit führen, die oberflächlich betrachtet in einem paradoxen Kontrast zur Ausübung einer Kampfkunst stehen.

Ich begann also bereits im Grundschulalter meinen Weg durch verschiedenste Kampfsportarten und Kampfkünste immer auf der Suche nach einem, in meinen Augen, geeigneten Lehrer.

Im Alter von ca. 7 Jahren fing alles mit Judo an. Danach schaute ich mir über die Jugendzeit verschiedenste Kampfkünste, wie Karate, Ninjutsu, Muay Thai und einige weitere an, die ich allerdings jeweils nur für wenige Wochen ausübte. Besonders erwähnenswert sind nur zwei Kampfkünste die ich längere Zeit und intensiv praktizierte. Die koreanischen Kampfkunst Hap-Ki-Do und die chinesischen Kampfkunst Wing Chun.

Mit dem Wing Chun kam ich erstmals auch mit dem Konzept der Stärke in der Sanftheit, den fühlenden Händen und der daoistischen Philosophie in Berührung.

Mit Anfang Zwanzig traf ich dann erstmals auf das Taijiquan. Es sollten allerdings noch einige Jahre vergehen bis ich meinen Lehrer, Großmeister Jiang, treffen sollte.

Als ich im Januar 2007, im Alter von 26 Jahren, erstmals seinen Unterricht besuchte wusste ich unmittelbar, dass meine Suche zu Ende war. Auch wenn ich damals die Tiefe dieser Kunst noch nicht annähernd begreifen konnte, war mir doch bewusst, dass mir das Schicksal eine einmalige Chance gab.

Ich begann daher täglich mehrere Stunden und zu jeder Gelegenheit zu üben. Morgens gleich nach dem Aufstehen, abends vor dem Schlafengehen, tagsüber an den verrücktesten Orten wie am Bahnhof oder im Zug. Die Übung wurde von einem Wunschtraum zu einem Lebensprinzip.

Nun ist weit mehr als ein Jahrzehnt wie im Fluge vergangen und die Früchte der vielen Mühen zeigen sich deutlich. Für die Inneren Kampfkünste gilt, wie bei allem im Leben: je mehr man gibt, desto mehr bekommt man auch zurück.

So kann ich heute, mit knapp 40 Jahren, auf einen faszinierenden Weg zurückschauen. Mein Qi ist stark geworden, mein Geist ist ruhig, alle Ängste und Sorgen sind verschwunden. Was die Zukunft noch bringen wird liegt noch im Verborgenen, doch in den Inneren Kampfkünsten bleibt man ewiger Schüler, immer auf dem Weg sich selbst und unser Universum besser kennen zu lernen, und unserer faszinierenden Kunst ein neues Geheimnis zu entlocken.

Dominik Wölfle
Heddesheim, 24.02.2020